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Serverraum mit Netzwerk aus leuchtenden Knoten und Datenverbindungen zwischen Racks, Symbol für vernetzte KI-Agenten

A2A-Protokoll: KI-Agenten verschiedener Hersteller vernetzen

A2A verbindet KI-Agenten verschiedener Hersteller: Wie das Protokoll funktioniert, was es von MCP unterscheidet und wo es sich im Unternehmen lohnt.

Warum KI-Agenten eine gemeinsame Sprache brauchen

Ein Agent prüft Rechnungen, ein zweiter plant Liefertermine, ein dritter beantwortet Kundenfragen. Jeder läuft bei einem anderen Anbieter, jeder kann für sich etwas. Sobald diese Agenten aber zusammenarbeiten sollen, beginnt das Gefrickel: individuelle Schnittstellen, eigene Datenformate, Integrationen, die bei jedem Update brechen. Wer heute mehrere KI-Systeme koppelt, verbringt mehr Zeit mit Klebeband als mit der eigentlichen Automatisierung.

Genau hier setzt das Agent2Agent-Protokoll an, kurz A2A. Es definiert, wie unabhängige Agenten einander finden, sich ausweisen und Aufgaben übergeben – unabhängig davon, von wem sie gebaut wurden und auf welcher Infrastruktur sie laufen. Google stellte A2A im April 2025 vor und übergab den Standard wenige Wochen später, im Juni 2025, an die Linux Foundation. Im März 2026 erschien Version 1.0. Der Standard ist also raus aus dem Experimentierstadium.

A2A und MCP: zwei Protokolle, zwei Jobs

Viele verwechseln A2A mit dem Model Context Protocol, das wir in einem früheren Beitrag beschrieben haben. Die beiden konkurrieren aber nicht, sie ergänzen sich. MCP verbindet einen einzelnen Agenten mit Werkzeugen und Datenquellen – mit einer Datenbank, einem Dateisystem, einer internen API. Es regelt, womit ein Agent arbeitet.

A2A regelt etwas anderes: die Zusammenarbeit zwischen Agenten. Der Rechnungsagent spricht nicht die Datenbank an, sondern den Lieferterminagenten. Dabei muss er nicht wissen, wie der andere intern funktioniert, welches Modell dahintersteckt oder in welcher Sprache er programmiert wurde. Er stellt eine Aufgabe, der andere liefert ein Ergebnis. Man kann es sich so merken: MCP schaut nach innen, zu den Werkzeugen. A2A schaut nach außen, zu anderen Agenten.

Agent Cards: der digitale Ausweis

Damit ein Agent einen anderen beauftragen kann, muss er erst einmal wissen, was dieser überhaupt kann. Dafür führt A2A sogenannte Agent Cards ein. Eine solche Karte ist eine maschinenlesbare Beschreibung: Welche Fähigkeiten bietet der Agent an, wie erreicht man ihn, welche Authentifizierung erwartet er? Ein Agent liest die Karte eines anderen und weiß sofort, ob und wie sich eine Zusammenarbeit lohnt.

Entscheidend für den Unternehmenseinsatz: Agent Cards sind kryptografisch signiert. Der empfangende Agent prüft also die Identität des Anrufers, bevor er sensible Operationen delegiert. Das klingt technisch, hat aber einen handfesten Grund. Wenn ein Agent im Auftrag Ihres Unternehmens Zahlungen auslöst oder Kundendaten weitergibt, dürfen Sie sich nicht auf Zuruf verlassen. Die Signatur macht nachvollziehbar, wer mit wem spricht.

Digitales Vorhängeschloss mit grünem Haken auf einer Platine, Symbol für kryptografisch signierte Agent Cards
Agent Cards sind kryptografisch signiert: Der empfangende Agent prüft die Identität, bevor er heikle Aufgaben übergibt. · AI-Designed

Wie ein Auftrag konkret durchläuft

Der Ablauf folgt einem festen Muster. Zuerst entdeckt ein Agent – nennen wir ihn den Koordinator – über die Agent Card einen passenden Fachagenten. Dann einigen sich beide auf eine Aufgabe: Der Koordinator schildert, was er braucht, der Fachagent bestätigt, dass er das übernehmen kann. Anschließend arbeitet der Fachagent und liefert ein Ergebnis zurück.

Weil Aufgaben zwischen Agenten Sekunden oder auch Stunden dauern können, denkt A2A langlaufende Prozesse von Anfang an mit. Ein Agent kann Zwischenstände melden, statt den Koordinator blind warten zu lassen. Fällt ein Teilschritt aus, landet die Information an einer definierten Stelle – nicht in einem Log, das niemand liest. Für Prozesse wie eine mehrstufige Bestellabwicklung oder eine Schadensprüfung ist dieser Zwischenstand-Kanal wichtiger, als er auf den ersten Blick wirkt.

Wer hinter dem Standard steht

Ein Protokoll ist nur so viel wert wie die Zahl derer, die es tatsächlich nutzen. Hier steht A2A ungewöhnlich gut da. Zum einjährigen Bestehen im April 2026 meldete die Linux Foundation mehr als 150 unterstützende Organisationen. Unter ihnen sind Namen, die selten gemeinsam an einem Tisch sitzen: AWS, Cisco, Microsoft, Salesforce, SAP und ServiceNow.

Dass der Standard bei einer neutralen Stiftung liegt und nicht bei einem einzelnen Konzern, ist für Unternehmen kein Nebenaspekt. Sie binden sich damit nicht an die Roadmap eines Anbieters. Wenn SAP und Salesforce dasselbe Protokoll sprechen, können deren Agenten zusammenarbeiten, ohne dass Sie eine teure Sonderintegration bauen und pflegen müssen. Genau diese Herstellerunabhängigkeit ist der eigentliche Gewinn.

Mehrere Serversysteme im Kreis durch Lichtströme vernetzt, Symbol für herstellerübergreifende Zusammenarbeit von KI-Agenten
Unabhängige Systeme, ein gemeinsames Protokoll: A2A lässt Agenten verschiedener Hersteller zusammenarbeiten. · AI-Designed

Wofür sich A2A im Unternehmen lohnt

Der naheliegendste Fall ist die abteilungsübergreifende Automatisierung. Ein Agent im Vertrieb erfasst eine Anfrage, reicht sie an einen Agenten in der Logistik weiter, der wiederum einen Agenten in der Buchhaltung einbindet. Jede Abteilung behält ihr eigenes System, ihr eigenes Modell, ihre eigenen Regeln. Verbunden werden sie über A2A, nicht über ein Monolith-Projekt, das alle zwingt, dasselbe Werkzeug zu nutzen.

Interessant wird es auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Ein Agent Ihres Zulieferers könnte mit einem Agenten Ihrer Einkaufsabteilung Verfügbarkeiten abgleichen – maschinell, nachprüfbar, ohne Portal-Login und manuelles Abtippen. Für regulierte Branchen ist dabei die signierte Identität der Dreh- und Angelpunkt: Sie wissen, mit wessen Agent Sie sprechen, und können es belegen.

Was Sie vor dem Einstieg bedenken sollten

So weit die gute Nachricht. Nun die nüchterne Seite. A2A löst die Kommunikation zwischen Agenten, nicht deren Qualität. Ein schlecht gebauter Agent bleibt schlecht, auch wenn er sauber per Protokoll angebunden ist. Prüfen Sie zuerst, ob Ihre einzelnen Agenten verlässlich arbeiten, bevor Sie sie vernetzen.

Zweitens entsteht mit der Vernetzung eine neue Angriffsfläche. Ein Agent, der anderen Aufgaben delegiert, braucht klare Grenzen: Wen darf er beauftragen, welche Daten darf er weitergeben, wo endet seine Vollmacht? Die kryptografische Signatur hilft bei der Identität, ersetzt aber keine durchdachte Rechtevergabe. Und drittens sollten Sie klein anfangen. Zwei Agenten, ein klar umrissener Prozess, messbares Ergebnis – das ist ein besserer Start als ein Netz aus zehn Agenten, das niemand mehr überblickt.

Sie überlegen, wie sich Agenten aus verschiedenen Systemen sinnvoll und sicher verbinden lassen – on-premise und unter Ihrer Kontrolle? Wir unterstützen Sie dabei, von der Architektur bis zum Betrieb. Sprechen Sie mit uns auf ai-designers.de.

Bilder: AI-Designed

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